Bike-Klassiker: Wettersteinrunde
Start: Parkplatz Alpspitzbad in der Klammstraße in Garmisch-Partenkirchen
(alternativ: Ehrwald, Mittenwald)
Distanz: 83 km
Zeit in Bewegung: 5 h mit dem E-Bike
Positiver Höhenunterschied: 1.970 Hm
Einkehrmöglichkeiten: Hochthörlehütte (Mittwoch Ruhetag), Gamsalm (Dienstag Ruhetag), Ehrwalder Alm, Gasthof Mühle in Leutasch, Gasthaus Ferchensee (Donnerstag und Freitag Ruhetag)
Lademöglichkeit für E-Bikes: Ehrwalder Alm (nach 35 km)
Schwierigkeit: schwer
Karte: ATK25/S09
Epische Runde um das Wettersteingebirge, die man einmal in seinem Bikerleben gemacht haben sollte. Auf der mehr als 80 Kilometer langen Tour reiht sich Highlight an Highlight, dazu gehören unter anderem der Eibsee, das Gaistal, die lange Fahrt flussabwärts entlang der Leutascher Ache, der Lautersee und der Ferchensee bei Mittenwald, Hinter- und Vordergraseck und die Partnachschlucht. Ein Abstecher in den Zugspitz-Bikepark ist auch dabei. Und das alles vor der spektakulären Kulisse der Wettersteinberge.
Die Tour erfordert Ausdauer und gutes Sitzfleisch, ist aber - bis auf die kurze Steilabfahrt (bis zu 30%) in der Partnachschlucht - technisch einfach und verläuft überwiegend auf breiten Forst- und Radwegen.
Von Garmisch-Partenkirchen nach Ehrwald (32 km)
Das erste Drittel der Tour zwischen Garmisch-Partenkirchen und Ehrwald kann man ohne Übertreibung als abwechslungsreich bezeichnen: Der Eibsee, die ersten Höhenmeter, Tiroler Almen und ein Bikepark liegen auf dem Weg. Tourstart ist der Parkplatz des Alpspitz-Wellenbads in Garmisch-Partenkirchen, wo die Klammstraße in einen Rad- und Fußweg übergeht. Nachdem man das Gleis der Zugspitzbahn überquert hat, biegt man rechts nach Westen ab und rollt gemächlich auf dem asphaltierten Radweg durch die Hammersbacher Wiesen auf die Waxensteine zu.
Kurz vor Hammersbach zu Füßen der Waxensteine
Hammersbach gehört zur Gemeinde Grainau, ist vor allem für seine Nähe zur Höllentalklamm bekannt und Ausgangspunkt für Bergsteiger, die über das Höllental auf die Zugspitze wollen. Im Ortsteil Obergrainau hält man sich links und biegt nach etwa 50 Metern von der Zugspitzstraße links auf den Brandweg ab, wo der erste Anstieg der Tour ansteht. Nach 200 Höhenmetern geht der Brandweg in den Höhenweg zwischen Eibsee und Höllental über, eine schöne Waldfahrt mit einigen Steilstellen, die am Eibseeparkplatz endet. Dort gleich links Richtung Hochthörlehütte abbiegen.
Tipp: Wer im Eibsee schwimmen oder ein Foto am See machen möchte, hat jetzt die beste Gelegenheit für einen Abstecher zum See.
Auf der Tour beginnt die lange Auffahrt durch den Zugwald zur Hochthörlehütte. Vom Eibsee bekommt man dabei wegen des dichten Baumbestands wenig mit, auch am “Eibseeblick”, der ein paar Bikeminuten oberhalb der Hochthörlehütte liegt, ist nur eine Ecke des Sees zu sehen. Die Aussicht ist mittlerweile fast zugewachsen. Die Hochthörlehütte liegt auf knapp 1.500 Metern Höhe und war in den Zeiten, bevor E-Bikes populär wurden, eine obligatorische Rast auf der Wettersteinrunde. Eine Einkehr auf der sonnigen Terrasse lohnt sich allemal.
Von der Hochthörlehütte rauscht man auf der asphaltierten Versorgungsstraße bergab Richtung Ehrwald und biegt nach knapp einem Kilometer links auf den Weg zur Gamsalm ab. So vermeidet man die lange Asphaltabfahrt über die Talstation der Tiroler Zugspitzbahn und die Ortsdurchquerung von Ehrwald.
Nach 3 Kilometern stößt man auf eine Skipiste und auf die Gamsalm. Sie liegt im Skigebiet der Ehrwalder Wettersteinbahnen und ist auch im Sommer geöffnet. Auf dem Ehrwalder Höhenweg geht es weiter nach Süden, und schon bald trifft man auf den Zugspitz Park, ein Bikepark am Fuße der Zugspitze. Ein paar hundert Meter nach der Gamsalm kann man unterhalb der Wettersteinbahn zum Beispiel in den blau markierten Blue Bird-Trail einsteigen und über hinunter nach Ehrwald kurven. Wir sind den Ehrwalder Höhenweg noch bis zur Sonnenhangbahn weitergefahren und nur das untere Drittel des Blue Bird gefahren. Der Trail ist relativ schmal, die Anlegerkurven sind zahlreich und erfordern mit dem schweren E-Bike volle Konzentration. Die Freude ist jedenfalls allgemein groß, dass es im Wetterstein jetzt einen Bikepark gibt. Die Trails des Bikparks endet an der Talstation der Wettersteinbahn. Dort hält man sich links und fährt über einen Plattenweg durch Wiesen und über den Lähngraben, bis man auf die Ludwig-Ganghofer-Straße trifft, die zur Talstation der Ehrwalder Almbahn führt. Wer keine Lust auf den langweiligen Fahrweg zur Ehrwalder Alm hat, kann sich samt Bike die 400 Höhenmeter ganz dekadent mit der Bahn hochgondeln lassen.
Plattenweg nach Ehrwald
Über Gaistal und Leutasch nach Mittenwald (31 km)
Das 15 Kilometer lange Gaistal trennt das Wettersteingebirge im Norden von der Mieminger Kette im Süden. Dieses Hochtal mit dem Bike zu durchfahren, ist ein einmaliger Hochgenuss. Von der Ehrwalder Alm auf 1.500 Metern Höhe rollt man auf besten Forstwegen in die 300 Meter tiefer gelegene Leutasch und kann dabei unbeschwert die alpinen Schönheiten rundherum genießen.
Die Ehrwalder Alm liegt strategisch günstig für eine Rast und eventuell zum Aufladen des Bikes an einer der zahlreichen Steckdosen, die am Bike-Abstellplatz montiert sind. Auf der großzügigen Sonnenterrasse kann man sich auf die Mieminger Berge gegenüber einstimmen. Von West nach Ost sind das die markanten Tajaköpfe, der Igelskopf und der Breitenkopf.
Von der Ehrwalder Alm kann man entweder bis zum verlandeten Igelsee hinunterrollen und auf dem Bike Trail Tirol entlang des Gaistalbachs Richtung Leutasch fahren. Oder man macht noch die paar Höhenmeter hinauf zur Pestkapelle und startet dort die lange Abfahrt durchs Gaistal. Beide Wege treffen in der Talmittel wieder zusammen. Wir haben uns für den Weg über die Pestkapelle entschieden. Dort ist für Wanderer auch die Abzweigung zum “Gatterl” und zum Plattsteig auf die Zugspitze. Die Pestkapelle wurde in den 1630-er Jahren von den Ehrwalder Bürgern als Dank für das Ende der Pest errichtet. Nach der Kapelle kommt bald der höchste Punkt der Tour auf 1.600 Metern Höhe. Kurz nach Beginn der Abfahrt tauchen rechts die Hohe Wand und der schmale Rücken der Hohen Munde auf.
Auf der linken Wettersteinseite des Tals kommt man an mehreren Abzweigungen zu Almen vorbei, die oft in Sichtweite vom Hauptweg liegen wie die Hochfeldernalm oder die Tillfussalm und die Gaistalalm, die beide am Ganghoferweg liegen. Ludwig Ganghofer hat hier in der Gegend nicht nur gern gejagt, sondern auch einige seiner damals populären Romane geschrieben. Am Talende, ein paar Höhenmeter oberhalb des Hauptwegs liegt noch die Hämmermoosalm.
Nach der genussvollen Fahrt durch das Gaistal kommt man beim Parkplatz Salzbach heraus. Nahtlos geht es gleich in das nächste Hochtal, die Leutasch über, das sich über 16 Kilometer zwischen Wetterstein und Karwendel erstreckt. Der Radweg verläuft entlang der Leutascher Ache, die kurz vor Mittenwald in die Isar mündet. Die Strecke ist gut ausgebaut und beschildert. Am Weg tun sich immer wieder Möglichkeiten für eine Abkühlung in der Ache oder für eine Kletterpartie auf.
Wer auf der Tour bislang alle Einkehrmöglichkeiten verpasst hat oder vor dem Finale eine weitere Rast einlegen möchte, hat dazu im Gasthof zur Mühle kurz vor Mittenwald Gelegenheit dazu, der direkt am Radweg liegt.
Tipp: Den Abschluss des Leutaschtals bildet die Geisterklamm, die man zu Fuß auf Stahlstegen in luftiger Höhe begehen kann.
Über Lautersee und Ferchensee zurück nach Garmisch-Partenkirchen (20 km)
Vor der Klammbrücke biegt man links auf die Staatsstraße 2042 ein, auf der man die 3 Kilometer hinunter nach Mittenwald schnell hinter sich bringt. Am südlichen Ortsrand des berühmten Geigenbauerorts biegt man scharf links auf die asphaltierte Straße Richtung Lautersee ab, der sich schon bald rechterhand zeigt. Wenn die Wasseroberfläche ruhig ist, spiegelt sich die schroffe Silhouette der Karwendelberge im See. Am gegenüberliegenden Ufer des Sees gibt es ein Strandbad, aber man findet auch verschiedene Bademöglichkeiten. Der benachbarte, etwas höher gelegene Ferchensee breitet sich traumhaft schön zu Füßen der Wettersteinwand. Letzte Bademöglichkeit!
Vom Ferchensee folgt man auf einem breiten Forstweg dem Lauf des Ferchenbachs bis Schloss Elmau. Das Luxushotel ist mit Zäunen und Hecken gegen Einblicke von außen abgeschirmt. Am großen Wanderparkplatz, der beim G7-Gipfel kurzzeitig ein Miniflugplatz war, macht die Tour eine scharfe Linkskurve Richtung Hintergraseck/Garmisch-Partenkirchen. Wer denkt, die Highlights der Tour wären schon absolviert, der irrt glücklicherweise. Im Spätnachmittagslicht eines Frühsommertags durch satte Almwiesen hinunter nach Hintergraseck zu rollen, während im Hintergrund auf der Alpspitze und dem Zugspitzplatt noch Schneereste leuchten, ist das Sahnehäubchen der Tour. Nach Hintergraseck kommen folgerichtig Mittergraseck und Vordergraseck. Letzteres ist schon voll im Einflussbereich der Partnachklamm. Zur Klamm kann man sogar mit einer Seilbahn hinuntergondeln. Allerdings nicht mit dem Bike. Also muss man die 200 Tiefenmeter auf der extrem steilen Asphaltstraße bewältigen, die mit bis zu 30 % Gefälle die Bremsen zum Glühen bringt. Sehr entspannt und flach geht es nach der Partnachklamm auf der Wildenauer Straße und dem Soiernradweg zurück zum Ausgangspunkt der Tour am Alpspitzbad in Garmisch-Partenkirchen.